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Cherrie

Cherrie

Cherrie

Geboren in Norwegen, aufgewachsen in Finnland und seit ihrer Jugend in Schweden sesshaft: Die R&B-Sängerin und Rapperin Cherrie, die mit bürgerlichem Namen Sherihan Hersi heißt, ist Kind einer somalischen Familie, die, wie viele andere auch, wegen des somalischen Bürgerkrieges aus ihrem Land fliehen mussten. Cherrie verbringt die meiste Zeit ihres Lebens in Rinkeby, einem Stockholmer Vorort. Hier leben viele nicht-europäische Immigrant:innen, die größte Gruppe unter ihnen kommt aus Somalia. Deswegen wird Rinkeby von Cherrie in Songs auch „Little Mogadischu“, in Anspielung auf Somalias Hauptstadt, genannt.  

Schweden, oder Skandinavien allgemein, ist nicht gerade bekannt für seine menschliche Vielfalt, oft wird diese Region als eher weiß wahrgenommen. Hier findet man Diversität vermehrt nur in der Diaspora, Minderheiten haben es deutlich schwerer. Das hat zur Folge, dass gerade Orte wie Rinkeby bekannt sind für ihre hohen Kriminalitätsraten. Diese Umgebung ist der Nährboden für die junge Künstlerin und findet sich auch vermehrt in ihrer Musik wieder. Cherrie singt zwar bereits ihr Leben lang, aber ihre ersten Songs beginnt sie zu schreiben, als erste ihrer Freund:innen durch Waffen und Kriminalität sterben. Daraus entstehen treibende und voll Wut und Trauer getriebene Songs, wie „Tabanja„.

All of Scandinavia is pretty white, but there are these places on the outskirts of certain cities where you have a lot of immigrants like East Africans, West Africans, and people from the Middle East. There’s a lot of bad stuff happening out there because people there don’t get the same opportunities as the Swedes. When I made “Tabanja,” Swedish slang for gun, what I sing in the chorus in that song is, “the whole hood got a gun now.” It was just an observation, singing a song that was telling the perspective of all these parents, mothers, friends, and girlfriends that lose close friends and brothers due to gun violence.

Cherrie im Interview mit TheFader

Das Narrativ von Gewalt, Kriminalitätserzählungen und Rassismuserfahrungen sind nicht gerade typisch für die doch eher durch ABBA geprägte Musiklandschaft – erst recht nicht von einer Frau. HipHop hatte zwar in den 90ern einen großen Aufschwung genossen, aber wirklich nachhaltig ist diese Szene in Schweden nie präsent gewesen. Cherrie ist eine der Personen, die Türen eintritt, um musikalische Vielfalt in Schweden auch im großen Stil voranzutreiben. Inspiriert ist Cherries Musik klar vom 90er/00er R&B. Besonders Künstlerinnen wie Aaliyah und Ciara haben einen enormen Einfluss auf die Musikerin.
Schon mit ihrem Debütalbum „Sherihan“ zeigt Cherrie ihr Talent, was im selben Jahr mit einem Preis in der Kategorie HipHop/Soul der schwedischen Antwort auf die Grammy Awards belohnt wird. Und auch international bekommt man schwedischen R&B so langsam auf der Karte. Noch im selben Jahr veröffentlicht die Künstlerin einen Song mit Grime-Artist Stormzy namens „Aldig igen (må sådär)“.

Der große Durchbruch kommt für Cherrie ein Jahr später, 2017, mit „163 För Evigt“, einer Hymne an ihre Heimat Rinkeby, die international auf Twitter trendet.
163 steht für die Postleitzahl Rinkebys und markiert: Das ist meine Hood, hier komme ich her. Dennoch ist es Cherrie wichtig, nicht in eine Schublade gesteckt zu werden.

I don’t want people to box me in, like, ‘Oh, she’s the girl from the hood, that’s what she does,’ because I’m always going to evolve and I’m just now finding ways to show that visually.

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Cherrie im Interview mit Vogue Magazine

„163 För Evigt“ soll nicht nur ihr Zuhause präsentieren, sondern auch ihren Erfolg feiern. Cherries Musik spricht gerade die Menschen aus der Diaspora an. Menschen, deren Chancen weitaus schlechter aussehen, als die der weißen Mehrheitsgesellschaft in europäischen Staaten. Mit ihrer Musik möchte sie Leute ermutigen, es ihr gleichzutun. Denn wie Cherrie selbst in 163 För Evigt singt: „Om jag lyckas då vi alla kan“ (Wenn ich erfolgreich sein kann, dann können wir es alle). Cherrie schafft es, einer ganzen Generation aus dem Herzen zu sprechen. Der Generation, die als erste in der Familie in dem immigrierten Umfeld aufgewachsen und geboren wurde. Eine Generation, die in einem ständigen Identitätskonflikt aufwächst und zu keiner der beiden Kulturen wirklich dazu gehört.

Es entsteht Mischkultur, eine Fusion aus neu und alt. Eine Kultur, die Vielfalt normalisiert – und genau das möchte Cherrie mit ihrer Musik zelebrieren. Besonders an Cherries Erfolg ist die Sprachbarriere, die irgendwie keine ist. Schwedisch ist nicht gerade eine internationale Sprache, und trotzdem schafft Cherrie mit ihrer Musik eine Atmosphäre, die einem das Gefühl gibt, jedes einzelne Wort zu verstehen.

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