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Cyber

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Wir geben es ja zu, auch wir haben Island nicht unbedingt als erstes im Sinne, wenn es um die krassesten HipHop- und Rap-Hotspots der Welt geht. Shame on us (!), wie uns Salka Valsdóttir und Jóhanna Rakel aka Cyber nämlich mit ihrer Story und Musik mal wieder beweisen.

Was 2012 zunächst als Punk/Trash Metal/Disco-Projekt beginnen sollte, wurde von den damals gerade einmal 16-jährigen Freundinnen schnell wieder verworfen, mussten sich beide nämlich eingestehen, dass die damals geschriebenen Songs – nett ausgedrückt – einfach nicht gut waren. Doch Salka und Jóhanna wären nicht zu den mutigen und selbstbewussten Künstlerinnen geworden, für die sie heutzutage in ihrer Heimat gefeiert werden, hätten sie dergleichen Charakterzüge nicht schon damals an den Tag gelegt. Kurzerhand wird umgedacht und die Beiden entscheiden, fortan mit Rap weiter zu machen. Durch einen Zufall hört Salka nahezu zeitgleich von einem all female HipHop-Event, quasi einem „safer space“ für Frauen, die interessiert an HipHop-Kultur sind. Mehr als 20 Frauen erscheinen: das Event entpuppt sich als Geburtsstunde des Kollektivs Reykjavíkurdætur aka Reykjavík’s Daughters, welches in den kommenden Jahren die isländische Rap-Szene mit ihren provokanten Performances sowie feministischen Songinhalten umkrempeln wird. Zusammen mit Reykjavíkurdætur veröffentlichten Cyber 2015 ihre ersten Tracks „Hæpið“ und „Fiðringur“. 2016 folgt schließlich die erste EP „Crap“ („Aspen Barbie“). Darauf präsentieren sich Salka und Jóhanna soundästhetisch nicht weniger unangepasst und experimentell als bei Reykjavíkurdætur. Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Beats von keiner geringeren als HipHop-DJ Þura Stína aka Sura stammen, die ebenfalls Teil der Crew ist. 2017 folgt bereits die nächste EP „Boys“, auf welcher Cyber überwiegend die Sweetness russischer Boys thematisieren, ebenso wie kurze Zeit später die LP „Horror“ („ Hlauptu“): ein 13 Tracks starkes Konzeptalbum, mit dem sich Cyber spätestens 2017 endgültig an die Spitze der lokalen Szene katapultierten. Nicht nur, dass Cyber für die Platte den Award für „Album of the year“ bei den Kraumur Awards abräumten sowie bei den Icelandic Music Awards nominiert waren, „Horror“ wurde zudem auch zum besten HipHop-Album der isländischen Zeitung MBL gewählt.
Wie sollte es bei diesem musikalischen Output des Duos auch anders sein, legten Salka und Jóhanna 2018 mit der LP „Bizness“ nach („Hold“) und präsentierten sich auch auf dieser nicht weniger wandelbar und experimentierfreudig als zuvor. Aufgrund der Tatsache, dass Salka „Bizness“ zudem komplett selber produzierte, geht die LP als erste ausschließlich von einer Frau produzierten isländischen Rap-Platte in die Geschichte ein.

Auch für das Jahr 2020 ist bzw. war (unter normalen Umständen) bereits Großes angedacht, gaben Cyber mit den Singleauskopplungen „caprisun“ sowie „starry night“ schon einmal einen ersten Vorgeschmack auf ihr neu angekündigtes Album „VACATION“, welches als perfekter Soundtrack für die Urlaubszeit nach der Pandemie bedingten Isolation dienen soll.
Was das genau bedeutet, werden wir wohl noch erfahren, in jedem Fall können wir uns sicher sein, dass es typisch „Cyber-ish“ ausfallen wird: futuristisch und subversiv im musikalischen wie auch performativen Sinne und dabei stets mit einer Prise mehr Extravaganz versehen.
Wir sind auf jeden Fall bereit für ein bisschen „VACATION“-Time mit Cyber und ihr solltet es auch sein…

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