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The Sequence

The Sequence

Es ist 1979 und HipHop, die junge Musikkultur aus der New Yorker South Bronx, ist noch keine Dekade alt. Oldschool-Ikonen wie Grandmaster Flash and the Furious Five, Kool Moe Dee und Kurtis Blow haben sich bereits einen Namen gemacht, aber erst mit Radio-Megahits wie „Rappers’s Delight“ von der Sugarhill Gang verbreitet sich HipHop landesweit in den USA. So auch bis nach Columbia in South Carolina, wo die drei Highschool-Freundinnen und Mitglieder des Cheerleading-Teams Cheryl Cook, Gwendolyn Chisolm und Angela Brown durch den Song begeistert anfangen, ihre selbstgeschriebenen Cheerleading-Gesänge in Raps umzudichten und auch lokal zu performen. „Because, with cheering, you’re basically rapping right there. We all just got together and just wrote the song. Just started. It was just a bunch of talking, and we knew it had to rhyme”, erinnert sich Chisolm im Gespräch mit dem Rolling Stone Magazin.

Als im selben Jahr eben jene Sugarhill Gang einen Auftritt in South Carolina hat, hustlen sich Cheryl, Gwen und Angela kurzerhand in den Backstage und machen dort direkt klar, dass sie keine Groupies sind: „By the way, we can sing and rap better than the Sugarhill Gang.“ Sie performen schließlich drei ihrer Acapella-Songs vor Sylvia Robinson, der anwesenden Co-Gründerin des Labels Sugar Hill Records. Beim Song „Funk you up“ unterbricht Robinson das Trio, „Stop it right there. Oh, my god, I’m going to make you girls stars. That’s a hit”, ruft die Musikindustrie-Veteranin durch den Backstagebereich.

Cheryl aka Cheryl the Pearl, Gwendolyn aka Blondy und Angela aka Angie B werden anschließend als The Sequence von Robinson bei Sugar Hill Records neben Grandmaster Flash and the Furious Five, Funky Four Plus On, Treacherous Three und dem West Street Mob unter Vertrag genommen. Die 12-inch-Vinylsingle ihres ersten Songs „Funk you up“ wird ein Radio-Hit und verkauft sich innerhalb von drei Wochen eine halbe Millionen Mal. Zusammen mit der Sugarhill Gang gehen die drei grade Volljährigen auf Welttournee. Es folgen drei Alben und zehn Singles sowie weitere internationale Touren mit den Sugarhill Acts bis Mitte der 80er-Jahre. Everyboy, clap yo hands!

The Sequence lösten sich niemals offiziell auf, aber gingen, aus vertraglichen wie auch privaten Gründen, ab 1985 eher getrennte Wege. Ein neuer, rougherer HipHop-Sound von Bands wie Run DMC, LL Cool J und Roxanne Shanté löste langsam die Disco-Rap-Ära ab, die The Sequence als weibliche Rap-Pionierinnen maßgeblich mitgeprägt hatten. Auf ihren größten Hit „Funk you up“ bezogen sich nachfolgend Künster:innen wie En Vogue, Boogie Down Productions, Ol’ Dirty Bastard, Ice Cube, Flavor Flav oder De La Soul. Die prägnante ‘Ring-ding-dong’-Hook von „Funk you up“ wurde 1995 von Dr. Dre für seinen Smashhit „Keep Their Heads Ringin’“ gesamplet. Auch Mark Ronson und Bruno Mars ließen sich noch 2014 für ihre Mehrfach-Platin-Single „Uptown Funk“ von „Funk you up“ inspirieren.

The Sequence war der erste bekannte Hip Hop-Act aus den Südstaaten; die erste Gruppe, die Rap mit Gesangsparts verband; die erste all female Rap-Crew, die einen Radio-Hit in den Billboard Top 50 landete sowie die erste komplett weiblich besetzte Rap-Band mit einem Vertrag bei einem Major Label. Die Vorreiterinnenrolle des Trios kann entsprechend nicht überschätzt werden, auch wenn den drei Freundinnen aus Columbia finanzieller Erfolg sowie angemessene Anerkennung durch die Hip Hop-Welt dem eigenen Bekunden nach nicht beschieden waren.

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„We’re the first female rap group in the history of hip hop. […] we […] opened the doors up for everybody, all the females of Hip Hop to come through“, sagt Cheryl the Pearl 2016 rückblickend im Interview mit TrueExclusives.

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