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Vigsø

Vigsø

Seit mehr als zehn Jahren in der dänischen Rap-Landschaft zu Hause, gehört Anna Vigsø aka Vigsø mit ihrer Geschichte und ihrem musikalischen Werdegang ohne Zweifel zu jenen Künstler*innen, wegen denen „365 Female* MCs“ 2018 seinen Anfang gefunden hat: Um nämlich einmal mehr klar zu machen, dass es da draußen so unfassbar viele talentierte weibliche* MCs gibt, wenn man nur einfach Augen und Ohren öffnet und ihnen (ohne Mackergehabe oder Ähnliches) die Bühnen dieser Welt überlässt.

Anna Vigsøs musikalische Geschichte beginnt um das Jahr 2010 herum, als die damals gerade einmal 15-Jährige sich für die MC’s Fight Night (MCSFN), einem bis 2016 jährlich stattfindenden Freestyle-Rap-Battle, anmeldete. Sie schaffte es letztlich bis ins Halbfinale, das zugleich als Semi-Finale der inoffiziellen dänischen Freestyle-Meisterschaft gilt. Dabei hatte Anna lediglich wenige Monate Erfahrung als Rapperin, geschweige denn, dass sie bis dahin vor irgendjemand anderem als ihrem jüngeren Bruder im eigenen Kinderzimmer aufgetreten war. Trotzdem battlet sich Anna mit ihrem Flow, ihrer lyrischen Schlagfertigkeit und allem voran ihrer dicken Haut, an der alle Buh-Rufe und die Missgunst ihrer männlichen Rivalen wie auch der Zuschauer*innen abzuprallen scheinen, Runde um Runde weiter. Nicht selten musste sich die junge MC während dieser Zeit Sprüche anhören, die – auch außerhalb des Battle-Rings – weit unter die Gürtellinie gingen. Kommentare, denen nach sie es nur soweit geschafft habe, weil sie nun mal ein Mädchen und das gut für das Image der MCSFN gewesen sei, stellen dabei noch die harmlosesten dar.

Mit dieser Geschichte reiht sich Anna, die damals oft auch bewusst als „Vigsø, die Rapperin“ anmoderiert wurde, jedoch leider in die Liste so einiger talentierter dänischen Rapperinnen ein, die schon in den Jahrzehnten davor oftmals vergeblich versucht hatten, Teil dieser machistischen und von überinszenierter Cis-Männlichkeit geprägten Rap-Community zu werden und minimal Respekt für Können forderten. Glücklicherweise lässt sich Vigsø, wozu sich ihr Künstlerinnenname entwickelt, von derartigem Männlichkeitsgehabe nicht abschrecken. Sie arbeitet weiterhin hart an sich und ihren Skillz und steht auch im Folgejahr wieder im Ring beim MCSFN sowie den Rap Slam Battles. Zahlreiche dieser beeindruckenden Duelle sind auch noch online zu finden, also gönnt Euch!

Wenngleich Anna nach zahlreichen Jahren der Teilnahme an Battles und Freestyle-Sessions diesem Part ihrer Rap-Karriere abschwor, leitete dies keinesfalls das Ende ihres musikalischen Daseins ein. Im Gegenteil, viel eher setzte sie einen neuen musikalischen Fokus und fing an, Texte über Erfahrungen und Erlebnisse zu schreiben, die sie selbst emotional bewegten. Das Ergebnis waren beziehungsweise sind ihre 2016 erschienene Debüt-EP „Under Overfalden“ („Unter der Oberfläche“) sowie 2017 die Nachfolge-EP „Brud“ („Bruch“), auf denen Anna ihren ganz eigenen, teils jazzig, teils elektronischen angehauchten Sound präsentierte und über Themen wie Weiblichkeit, Fe*male Empowerment, Sex, Lust oder die Liebe rappte. Nicht ohne Grund wurde Anna 2016 für erstere EP bei den GAFFA Awards in den Kategorien „Urban Release of the Year“ und „Female Artist of the Year“ nominiert.

Bis heute zeigt Vigsø immer wieder, dass sie sich von ihren Hatern nicht unterkriegen lässt – so zum Beispiel in einer amüsanten Freestyle-Aktion, bei der sie Social Media-Hasskommentare und -nachrichten über einen Beat spittet – und beweist, dass ihr Platz in der dänischen Rap-Szene wohl verdient ist. Sei es in Rap-Workshops, die sie leitet, oder mit der Veranstaltungsreihe „Her er vi“ („Hier sind wir“) an der Seite von Künstler*innen wie GOLDIE6is, Karen Mukupa, Yakuza, Annelise, YUKKA, Tovepigen, Mismarie und DJ THAT FUCKING SARA, Vigsø setzt sich schon seit Jahren für mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für weibliche* Künstler*innen in ihrer Heimat ein – und das feiern wir!

Keine Frage daher, dass so viel Commitment der Szene gegenüber und Fe*male Empowerment nicht nur den größten Respekt, sondern vor allem ein herzliches Danke und unseren vollsten Support verdient. Shout out!

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