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365 Female* MCs wird 365 Fe*male MCs

365 Female* MCs wird 365 Fe*male MCs

Als dieser Blog gegründet wurde, wollten wir zeigen, welch große Rollen Frauen schon immer im HipHop spielten und wie wichtig und vielfältig sie bis heute sind. Sätze wie “Es gibt einfach wenige Frauen, die rappen!” oder “Rap ist halt nichts für Frauen” wollten wir entkräften und das Gegenteil beweisen. Dabei haben wir über die Jahre vieles dazugelernt und lernen bis heute nicht aus. Denn schließlich ist es genau das, was wir mit diesem Projekt erreichen wollten. Zuhören, lernen, festgefahrene Vorstellungen hinterfragen und überdenken – all das sind Prozesse, die niemals stoppen sollten und denen auch wir als Redaktion uns regelmäßig stellen. Von Anfang an fanden auf dem Blog auch nicht-binäre und trans* Artists Beachtung, da sie genauso ein oft ignorierter Teil der HipHop-Kultur sind. Dieser Aspekt wurde jedoch in der Namensgebung des Projektes nicht ausreichend reflektiert. Parallel dazu wurden die Diskurse innerhalb der queer-feministischen Szene um das Gendersternchen und Begriffe wie “female*” dezidiert weitergeführt. Während das Projekt medial wie auch in der Szene mehr und mehr Aufmerksamkeit generierte und auf die Vielfalt im Rap-Kosmos aufmerksam machte, fingen bei uns im Hintergrund erste Reflektionsprozess an: Um wen genau geht es eigentlich auf diesem Blog? Wen meinen wir tatsächlich, wenn wir von “female*” MCs sprechen? Vor allem aber: Wie inklusiv ist der Asterisk hinter “female” an genau dieser Stelle? Schnell wurde uns bewusst, dass die Ergänzung eines Sternchens hinter dem Wort “female” zwar gut gemeint, aber alles andere als zielführend war. Wir haben verstanden, dass trans* und nicht-binäre Artists sich dadurch zurecht exkludiert fühlen und keine Beiträge über sich in einem Blog lesen wollen, der “über Frauen*” berichtet. Was für manch unbetroffene Person nur ein Stern ist, der um vier Stellen nach links wandert, bedeutet für andere Menschen eine neu geschaffene Identifikationsfläche. Aus diesem Grund wird aus 365 Female* MCs fortan 365 Fe*male MCs. Durch das Sternchen zwischen “fe” und “male” wollen wir einen Raum schaffen, der zwischen den binären Geschlechtern steht und deutlich macht, dass wir auch nicht-binären, inter* und trans* Personen einen Platz in diesem Projekt bieten möchten.

Es stellt ein absolutes Privileg unsererseits dar, dass obwohl wir wussten, dass der Name in der Form nicht-binäre, inter* und trans Identitäten nicht korrekt abbildet bzw. benennt, wir den Namen bislang noch nicht angepasst oder geändert haben. Lange stand es auf unserer ToDo-Liste und wurde immer wieder dadurch aufgeschoben, dass wir mit diesem ehrenamtlichen Projekt oft weit über die eigenen Limits laufen und einfach keine Kapazitäten da waren, solchen Erkenntnissen auch Taten folgen zu lassen. Diese mangelhafte Priorisierung – es gut zu meinen, aber eben nicht gut zu machen – ist ein weiterer Ausdruck unserer Privilegien als ein Team, das überwiegend aus cis Personen besteht. #reflectyourownprivileges Auch das zu erkennen, ist ein Prozess, den wir transparent ansprechen wollen.

Wir möchten uns aus diesem Grund bei allen Personen bedanken, die uns auf diesen Missstand aufmerksam gemacht haben und die tagtäglich nicht nur diesen Blog verfolgen, sondern auch daran mitarbeiten, ihn immer besser zu machen. Euer Feedback wird nicht nur gelesen – es ist dringlichst erwünscht, denn nur laute Stimmen aus der Community helfen uns dabei, für einen besseren Blog und eine gerechtere HipHop-Community zu sorgen – für alle.

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