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Dobra

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Rap auf Ukrainisch, ganz besonders von Künstlerinnen – vor Alyona Alyona, schwappte davon relativ wenig nach Deutschland oder ins internationale Gewässer. Nach und nach kommen aber immer mehr talentierte Rapperinnen zum Vorschein, die sich ihrer Muttersprache Ukrainisch annehmen. Dazu zählt auch Dobra.
Anastasya, Dobra oder auch Dobra Divka ist Rapperin, aber first and foremost Twitch-Streamerin. Wie viele andere auch, ist Dobra über Poesie zu Rap gekommen. Schon als Kind beginnt sie, Gedichte zu schreiben und hört erste Rapsongs. Mit der Zeit versucht sie ihre Gedichte auf Beats zu rappen und nimmt erste Songs mit einem Diktiergerät auf.

Irgendwo dazwischen wird sie von ihrem Freund ermutigt, auch mal Twitch-Streams auszuprobieren, weil Dobra schon immer ein großer Fan von Spielen wie CS:GO, PUBG oder RUST war. Seitdem streamt sie täglich als Dobra Divka.
Ihre Veröffentlichungen verzeichnen einen etwas geringeren Output, aber an guter Musik fehlt es trotzdem nicht.

Ihre Songs sind gezeichnet von Schwere und Melancholie und erinnern fast an ein Subgenre, das wir in Deutschland noch als Emo-Rap kennengelernt haben. Musikalisch reicht Dobras Repertoire von Boombap („Vratui„) über Trap-Einflüsse („Візьму„) bis hin zu einzelnen Ausreißern, die den elektronisch/sphärischen Sound von GTA V atmen („Zamknu„).
Trotz der musikalischen Varianz sind alle Texte doch eher der dunkleren Seite der Gefühlswelt zuzuordnen. Die Lyrics lassen selbst einen träumerischen Beat erscheinen, als käme die Verträumtheit nur vom Fieber. Dieses melancholische, bedrückende Gefühl, das man beim Hören der Ukrainerin wahrnimmt, kommt nicht von ungefähr. Denn gerade schlechte Zeiten oder traurige Erinnerungen bringen Dobra zum Texten.

„I am inspired to write bad stories that happen to me. This is a life experience that I write on paper. And often this is how I relieve my emotional pain“

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Dobra

Dobras Musik kann man also mit Einträgen im Tagebuch vergleichen. Es geht ihr nicht darum, möglichst generische Musik rauszuhauen, sondern darum, ein Gefühl zu konservieren. Das bedeutet auch, dass sie keine festen Vorstellungen davon hat, wie ihre künftige Rapkarriere verlaufen soll. Wannimmer sie sich danach fühlt oder sie etwas Schlimmes erlebt, greift sie zum Stift – und damit stehen und fallen auch Releasepläne oder -möglichkeiten. Dass Musik eine Art therapeutische Funktion zugeschrieben wird, ist nichts Neues. Diese Verarbeitung aber musikalisch so umsetzten zu können, dass diese Gefühle trotz Sprachbarriere bei den Hörer*innen ankommen ist sehr rar und besonders.

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