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Gianni Mae

Gianni Mae

Gianni Mae galt 2019 als die Berliner Trap-Newcomerinnenhoffnung – dabei hat sie schon mindestens eine Musik-Karriere hinter sich. Rewind in die Neunziger Jahre: Gianni wird auf der sonnigen Insel Curaçao geboren. Sie wächst in einer musikalischen Familie mit karibischen Sounds wie Salsa, Rumba und Ritmo Combina genauso wie mit dem amerikanischen Musikprogramm des Fernsehsenders MTV auf.

Mit 15 fängt Gianni an zu modeln und nimmt später erfolgreich an Schönheitswettbewerben teil. Mit Erreichen der Volljährigkeit zieht sie für ein Medizinstudium in die Niederlande. Parallel macht sie seit 2009 mit zwei Freundinnen als Diva Squad Rap auf Papiamentu, der Kreolsprache der ABC-Inseln. Eher zum Zeitvertreib gestartet, kann sich die Band mit einer Hand voll Songs jedoch schnell einen lokalen Fame erarbeiten.

Nach dem Umzug in die Niederlande macht das Trio zu zweit als Junglebae auf Englisch weiter und landet nach Zusammenarbeit mit zwei der bekanntesten Produzenten des Landes in Rotterdam einen Majorlabeldeal, Radiohits, Millionen Streaming-Klicks sowie Festival-Auftritte. Doch Gianni fühlt sich in den Label- und Managementstrukturen zunehmend unwohl und als weiblicher Artist nicht ernst genommen. Zu viele künstlerische Vorgaben werden ihr hinsichtlich der Radiotauglichkeit der mittlerweile eher elektronischeren Songs gemacht, aber z. Bsp. auch im Bezug auf freizügige Bekleidung in Musikvideos. Auf der Suche nach mehr kreativem Freiraum trennt sich Gianni von Junglebae.

Über Instagram findet sie Anschluss an die Berliner Musikszene. Nach einem Auftritt bei der Partyreihe Hoe__Mies in Berlin lernt Gianni Mitte 2017 über die Veranstalterinnen das Produzententeam Broke Boys kennen, das u. a. schon einem gewissen Ufo361 Trap-Hits auf den Leib schneiderte. Nachdem bei einer gemeinsamen Studiosession sofort der Vibe stimmt, beschließt Gianni kurzerhand, Rotterdam zu verlassen und für einen Neuanfang in die Hauptstadt Deutschlands zu ziehen, um ihr eigenes Ding zu machen.

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„Erst in Berlin habe ich angefangen, alleine zu arbeiten. Und seitdem kann ich komplett selbstbestimmt meine Musik machen und wirklich selber entscheiden, wie ich aussehe und wie ich mich anziehe. Es sind zwar kleine Dinge, aber ich bin froh darüber“, erzählt Gianni im Interview mit Vogue. 2018 schafft sie es ohne einen veröffentlichten Solo-Song auf die Bühne des splash!-Festivals – und reißt ab. Zusammen mit den Broke Boys veröffentlicht sie 2019 ihre „Saucy“-EP, die ebenso wie die Vorabsingles einige Wellen schlägt, von der „Rap-Hoffnung Berlins“ ist in den Medien die Rede. Der wuchtige Soundentwurf der Deutschtrap-Pioniere passt perfekt zu Giannis powervollem Braggadocio-Rap. Ohne explizit feministische Ansagen verkörpert sie dabei durch ihren selbstbestimmten DIY-Spirit und die zur Schau getragene Selbstverständlichkeit und Lässigkeit, mit der sie sich ein vorwiegend männliches Genre zu eigen macht, modernes Empowerment. Man darf gespannt sein, was die „Berlin Trap Queen“ aus Curaçao als nächstes vorhat.

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