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Sydanie

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„Art Spaces, die nur für dünne, kinderlose, weiße Menschen mit viel Geld gemacht sind, langweilen mich,“ sagt Sydanie in einem Interview mit The Fader. Eigentlich spricht sie dabei über die Beweggründe für ihre eigene Veranstaltungsreihe Liquid Gold, beschreibt mit der Aussage aber auch ihren gesamten Karriereweg ziemlich gut. Seit Beginn ihres musikalischen Schaffens während der High School kämpft die Rapperin aus Toronto mit Schubladendenken und zwanghaften Kategorisierungen sowie den Stereotypen und Rassismen, die daraus resultieren. Aufgewachsen ist die Tochter von jamaikanischen und trinidadischen Eltern im für Multikulturalität, aber auch Armut bekannten Bezirk Jane & Finch, der am nordwestlichen Ende von Toronto liegt. Während sich die Kunst- und Kultur-Szene der Stadt in den hippen Kneipen der Innenstadt trifft, werden den ärmeren Randbezirken künstlerische Fähigkeiten meist abgesprochen. So hatte Sydanie anfangs durchaus Schwierigkeiten in der lokalen Szene Fuß zu fassen. Gerade deshalb ist sie extrem fest mit ihrer Community verwurzelt geblieben und gibt mittlerweile in guter Regelmäßigkeit Workshops an ihrer alten Highschool. Dort, wo sie einst begann, Texte zu schreiben, die sie nach der Schule bei einem Freund mit Homestudio in Songs verwandelte, will sie nun Vorbild sein und junge Künstler*innen ermutigen sich den Raum zu nehmen, der ihnen zusteht. 

Als Syndanie vor fast zehn Jahren anfing Musik ernster zu nehmen, gab es für sie niemanden, der sie ermutigte ihre Kunst auch nach außen zu tragen. Damals nutzte die Kanadierin ihre Musik vor allem für sich selbst als Therapie. Ihre Texte sind durchzogen von traumatischen Erzählungen, von Aufarbeitung, aber auch von Heilung. „If there’s no growth, there’s no art,“ sagt sie recht simpel. Es fällt Sydanie zunächst sehr schwer sich aus den engen Stereotypen der lokalen Musikszene herauszupellen. Es gab, wie sie sagt, nur zwei Karrierewege für junge, schwarze Rapperinnen: die harte Straßenrapperin oder die in grünen Dunst gehüllte Conscious-Rapperin. Sydanie entschied sich damals für das Zweite. Einige leicht taumelnde Lo-Fi-Beats haben es aus dieser Zeit noch mit in ihre jetzige Musik geschafft. Ansonsten wurden so ziemlich alle Konventionen über Board geworfen, der Sampler für einen Synthesizer eingetauscht und die neu gewonnene Freiheit zelebriert. 

Mittlerweile steht nach zwei Mixtapes und einer EP ihr erstes richtiges Album in den Startlöchern. „Electric Circus“ soll es heißen und eigentlich längst erschienen sein. Das Versprechen, es noch 2019 herauszuhauen, konnte Sydanie jedoch nicht einhalten. Am Ende bleiben als alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter, die gleichzeitig noch Studium und Musikkarriere unter einen Hut kriegen muss, eben eben auch nur 24 Stunden pro Tag. Mit „I Want U 2 See This“ hat die Kanadierin immerhin schon mal eine sehr vielversprechende erste Single aus dem Longplayer in die digitale Welt herausgelassen. Zwischen hektischen Drums und niedlichem Synthesizer-Geplänkel sticht dabei vor allem ihre kraftvolle Stimme aus dem Stück heraus und macht mächtig Lust auf die Debüt-Platte. 

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