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Yung Baby Tate

Yung Baby Tate

Yung Baby Tate

Yung Baby Tate liegt das Musikertum definitiv im Blut. Ihre Mutter ist keine Geringere als die Soul Sängerin Dionne Farris, die auch mit der Rap-Band Arrested Development, aber vor allem solo einige Hits unter’m Gürtel hat, wie man in Amerika so schön zu sagen pflegt. Unter anderem arbeitete sie dabei auch mit dem bekannten Gitarristen David Ryan Harris zusammen, Tates Vater. Kein Wunder also, dass Tate Farris, wie Yung Baby Tate bürgerlich heißt, bereits im zarten Alter von 13 Jahren ihre ersten Beats produzierte. Singen und Klavier spielen gehörte damals bereits seit langem zu ihrem Repertoire. Da sie in Atlanta aufwuchs, mischten sich neben der eigenen Mutter vor allem lokale Größen wie Gucci Mane oder Future in ihre frühen Einflüsse. 

Gute zehn Jahre nach diesen ersten Gehversuchen mutierte Tate in den letzten Jahren zu einer wahren DIY-Bastion der US-amerikanischen Rap-Szene. Sämtliche Projekte, die sie seit 2015 in guter Regelmäßigkeit auf den digitalen Markt geworfen hat, stammen von vorn bis hinten, von Beat bis zum Text aus Tates Feder. Und auf ihren Songs belässt es die 24-Jährige auch nicht nur beim Rappen. In ihrer Eigenwahrnehmung sieht sich Tate zuallererst als Sängerin. Sie begründete das in einem Interview damit, dass ihr Rappen auf Dauer einfach zu langweilig ist. Logisch. Ein Label brauchte sie übrigens auch nicht. 

Yung Baby Tate zählt zweifelsfrei zu einer der talentiertesten Newcomerinnen des Rap-Kosmos. Ihr Album „Girls“, welches 2019 erschien, stellt das eindrucksvoll unter Beweis. Gemeinsam mit einem Kurzfilm räumt das Konzept-Album mit allerhand Klischees, Zwängen und Widrigkeiten auf, die einer jungen Frau auch im Amerika des 21. Jahrhunderts noch täglich vor die Füße geworfen werden. Sämtliche Songtitel der Platte enden auf das Wort „Girl“. Vorangestellt sind dabei diverse Adjektive, die die klischeehaften Identitäten zusammenfassen, die einer Frau innerhalb des Patriarchats aufgedrückt werden. Ob es sich dabei nun um das klassische „Bad Girl“, das „Freaky Girl“ oder einfach ein „Flower Girl“ handelt, ist egal. Sämtliche Stereotypen entschärft und relativiert Tate in angenehmer Weise.

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Musikalisch trifft währenddessen ein Genre auf das nächste. Mal singt Tate klassische R&B-Balladen, nur um dann wieder einen harten Rap-Part nach dem anderen auf den Beat zu klatschen. Schließlich ist sich die Rapper-Producerin auch für fabelhafte Bubblegum-Pop-Momente, in denen ihr verspielter Charakter besonders gut zum Vorschein kommt, nicht zu schade. Zusammengefasst ist Yung Baby Tates Musik so facettenreich wie ihre Persönlichkeit. Und dabei widerspricht es sich in keinster Weise, gleichzeitig Blumenmädchen, Bad Girl, Hot Girl und eine leidenschaftliche Liebhaberin zu verkörpern. Es scheint nur eine Frage der Zeit bis im Hause Farris neben den Platin-Platten der Mutter Platz für jene der Tochter geschaffen werden muss. 

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