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KimBo

KimBo

„Ich bruch kein Leader, verstasch. Ich bin min eigene Boss“ rappt die Schweizerin KimBo auf ihrer Single „King Kong“ und beschreibt damit recht treffend, wo sie in der Schweizer Rapszene zu verorten ist. Mit einer Mischung aus Gesang und Rap, sowohl auf Schweizerdeutsch als auch auf Italienisch, mischt Kim die Szene genreübergreifend ordentlich auf. Zwischen Trap, House und Reggaeton konnte die Künstlerin sich in den vergangen Jahren einen Namen machen; dabei fing alles eigentlich erst mit ihrer Maturaarbeit an.

1990 in Zürich geboren wuchs Kim im Tessin, einem italienischsprachigen Kanton der Schweiz, als videoaffines junges Mädchen auf und sparte schon damals ihr Taschengeld für den Erwerb einer Videokamera. Einen Großteil ihrer Jugend verbrachte sie damit, spaßeshalber Musikclips mit Freund:innen zu drehen. So lang, bis sie sich schließlich für ihre praktische Maturaarbeit dazu entschied, ein seriöses Musikvideo zu produzieren. Dabei führte sie nicht nur Regie und übernahm das Post-Editing, sondern schrieb auch ihren allerersten Raptext dafür. Ohne es zu wissen hatte KimBo mit dieser Arbeit einen Grundstein für ihren weiteren Werdegang gelegt. Das Schulprojekt mit dem Songtitel „Viaggiare“ wurde kurz darauf nicht nur bei den Schweizer Jugendfilmtagen nominiert, sondern gewann beim Centovalli Filmfestival obendrein auch noch die Kategorie „Best Independent Production“. Aus der Matura heraus entstand mit diesem Song der Wunsch nach mehr, die brennende Leidenschaft für Sprechgesang in ihr war entfacht.

Fünf Jahre nach diesem Ereignis veröffentlichte sie ihr erstes Mixtape „Io Non Ho Paura“. Liveshows und Collabos – sowohl in der Schweiz als auch im Ausland – sollten schnell folgen. Spätestens mit einem Song, der sexuelle Belästigung im Schweizer Nachtleben thematisierte, erlangte KimBo in den nationalen Medien verstärkte Aufmerksamkeit. Inzwischen lebt sie in Basel und ist dort seit 2017 nicht nur Teil des HipHop-Künstlerinnen-Kollektivs VYBEZBILDER, sondern auch Signing beim Independent Label NoHook. Mithilfe des Labels veröffentlichte sie 2018 ihre Debüt-EP „Trip Infinito“. Kurz danach schloss sie sich außerdem mit dem Produzenten Alessandro Hug und der Musikerin Franziska Staubli zum Trio Scho No Geil zusammen, um fortan eine weitere Möglichkeit zu haben, ihre künstlerischen Visionen in die Tat umsetzen zu können.

Zu ihren künslterischen Visionen gehört neben den verschiedenen Passagen in Italienisch und Schweizerdeutsch ebenso das Tanzen. Wer KimBo schon einmal live erlebt hat, weiß, dass ihre Songs stets von einer Tänzerin untermalt werden und auch in ihren Musikvideos wird deutlich, welchen Einfluss die Videoproduktion ihrer Jugend auf ihre aktuellen visuellen Konzepte hat. Inhaltlich ist es ihr ebenso wichtig, zu unterhalten und dabei zum Tanz anzuregen. Doch Gute-Laune-Musik ist nicht alles für KimBo, denn sie nutzt ihre Kunst auch für feministische Messages.

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In ihrer Familie herrscht seit jeher ein starkes Bewusstsein für soziale Ungleichheit und Sexismus, so dass sie diese Themen rückblickend auch als Teil ihrer Identität bezeichnet, wie sie im Interview bei Red Bull Music zu verstehen gibt. Ihr feministisches Engagement zeigt Erfolg: Beim Women’s March Zürich 2017 und Schweizer Frauen* Streik 2019 steuerte sie die inoffiziellen Soundtracks bei und wurde somit zu einer feministischen Ikone der Schweizer Rapszene.

Bereits auf älteren Releases zeigte KimBo, wie elegant sie zwischen den Sprachen und inhaltlichen Thematiken wechseln kann. Spricht sie auf einem Song noch voller Leichtigkeit über Gras-Konsum, handeln andere Songs plötzlich von tiefphilosophischen Fragen über das Leben und dem festgesetzten Sexismus der Musikbranche. Auch auf ihrem Debüt-Album „Pangolin“, das sie im November 2020 veröffentlichte, zeigte sie sich erneut von verschiedensten Seiten und macht damit weiterhin deutlich: Sie ist und bleibt ihr eigener Boss.

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