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Tyriss

Tyriss

Nicht nur durch die vielen verschiedenen Landessprachen ist die Schweizer Rapszene eine der spannendsten Europas und bringt regelmäßig innovative Acts hervor, die locker auf internationalem Terrain mithalten können. Eine Künstlerin, die schon länger im Untergrund mitmischt, ist Tyriss. Zum Höhepunkt des weltweiten Lockdowns Ende April 2020 hat die Genfer Rapperin ihr gemeinsames Album mit dem Pianisten und Produzenten Thierry Corboz rausgebracht. „Orfelins“ ist ein intensives Werk – nah und tiefgründig, simpel und dennoch emotional. Es zeigt vor allem Eines: Dass Tyriss keine Effekthascherei braucht, um die Hörer:innen einzunehmen. Melancholisch-philosophische Klaviertunes wie „L’amour c’est pas la mort“? Kann sie. Darunter mischen sich fast hymnenartige und dennoch reduzierte Tracks à la „Froids“ und „Indigène“. Am Ende bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Wie konnte die Welt diese Künstlerin bisher ignorieren?

Erste Steps in der Öffentlichkeit machte Tyriss als Teil der Crew Système D. 2012 veröffentlichte sie ihr erstes Album „Utopie“ mit Features ihrer Kollegen Kekos, Olkidor, C-kor und Spiral. Auf dem Album trat Tyriss nicht nur als Rapperin, sondern auch als Produzentin in Erscheinung. 2014 folgte ihr „Freetape“, das sie über Bandcamp raushaute. Doch nicht nur auf Songlänge überzeugt Tyriss – auch als Freestyle-Artist hat sich die Schweizer Musikerin einen Namen gemacht. Klar, dass sie sich auf diese Weise auch einen Slot in KT Goriques Female Allstar Cypher gesichert hat.

Tyriss ist eine politische Rapperin. Aus ihrer feministischen Weltsicht macht sie auch auf Facebook kein Geheimnis. Auch wenn bei ihr der Inhalt an erster Stelle steht, legt die MC mindestens ebenso viel Wert auf Technik und Rapskills. Das macht sie zum perfekten Gesamtpaket aus Style und Message – und zu einer Rapperin, die man definitiv im Auge behalten sollte.

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